Was sind Dark Patterns? Die Typen täuschender Designs

Kurz gesagt

Ein Dark Pattern ist ein Interfacedesign, das Nutzer zu etwas drängt, das sie nicht wollen. Ein kostenpflichtiges Kästchen, das im Zahlungsschritt schon angekreuzt ist, ist ein typisches Beispiel. Den Button zum Ablehnen in einen Satz zu verwandeln, der den Nutzer herabsetzt, ebenso. Der heutige englische Name ist Deceptive Pattern, also täuschendes Muster.

Kurz gesagt

Bei einem Dark Pattern arbeitet die Oberfläche für das Unternehmen, das sie gebaut hat, und gegen den Nutzer. Der Nutzer will etwas tun, der Screen zieht ihn in eine andere Richtung. Oft merkt er es nicht, oder erst, wenn es zu spät ist.

Im Deutschen hört man auch „täuschendes Design“ oder „manipulatives Design“, meist bleibt es aber beim englischen Begriff.

Schlechtes Design und Dark Pattern sind nicht dasselbe. Schlechtes Design macht es dem Nutzer aus Versehen schwer. Ein Dark Pattern ist dafür gebaut, den Nutzer zu einer bestimmten Entscheidung zu drängen, und diese Entscheidung ist meist zu seinem Nachteil.

  • Die zwei Typen, die ich am häufigsten sehe, sind vorab angekreuzte Kästchen und Gebühren, die im letzten Schritt auftauchen.
  • In Deutschland schreibt § 312k BGB für viele Verträge, die online geschlossen werden können, einen Kündigungsbutton vor.
  • Kurzfristig bringt es Umsatz. Später kommt es als Vertrauensverlust und Beschwerde zurück.

Woher der Begriff kommt

Harry Brignull startete 2010 eine Website namens darkpatterns.org. Nach eigener Darstellung der Website war das Ziel, manipulative Designs offenzulegen und die Öffentlichkeit zu informieren.

Heute liegt die Website unter deceptive.design. Auch der Name hat sich geändert: Statt „dark patterns“ heißt es „deceptive patterns“, also täuschende Muster. Laut der Website schlug das Team des Tech Policy Design Lab der World Wide Web Foundation diese Änderung vor.

Als Begründung nennt die Website, dass das Wort „dark“ negative Assoziationen trägt und schädliche Stereotype nähren kann. Auf dieser Seite nutze ich beide Namen. In Teams, mit denen ich arbeite, höre ich noch am häufigsten „Dark Pattern“.

Die Definition auf der Startseite ist kurz: Täuschende Muster bringen Menschen dazu, Dinge zu tun, die sie nicht tun wollten. Die Website merkt außerdem an, dass ihre Analysen keine Rechtsberatung sind.

Typen von Dark Patterns

deceptive.design listet heute 18 Typen. Unten habe ich die 12 gesammelt, die mir in Audits am häufigsten begegnen. Die deutschen Namen sind meine Übersetzung, in Klammern steht der englische Name der Website.

Heimliches Hinzufügen (Sneaking)
Eine wichtige Information wird versteckt oder ans Ende geschoben, und der Nutzer glaubt, er schließe eine andere Vereinbarung.
Erzwungene Handlung (Forced action)
Um zu bekommen, was Sie wollen, müssen Sie etwas akzeptieren, das Sie nicht wollen.
Schwere Kündigung (Hard to cancel)
Anmelden oder ein Abo abschließen ist leicht, kündigen sehr schwer.
Vorauswahl (Preselection)
Eine Option wird für Sie vorab gewählt, und die Entscheidung wird in diese Richtung gedrängt.
Behinderung (Obstruction)
Einer Aufgabe oder einer Information wird absichtlich ein Hindernis in den Weg gestellt.
Verstecktes Abo (Hidden subscription)
Der Nutzer wird zu regelmäßigen Zahlungen verpflichtet, ohne dass es klar gesagt oder seine Zustimmung eingeholt wird.
Versteckte Kosten (Hidden costs)
Es geht mit einem niedrigen Preis los. Wenn der Nutzer Mühe investiert hat, tauchen im Zahlungsschritt unerwartete Gebühren auf.
Irreführende Formulierung (Trick wording)
Ein verwirrender Satz bringt den Nutzer dazu, etwas zu tun, das er nicht will. Ich sehe das am häufigsten bei Kästchen mit doppelter Verneinung.
Visuelle Störung (Visual interference)
Der Nutzer erwartet, dass Informationen klar und vorhersehbar dastehen. Stattdessen werden sie versteckt oder als etwas anderes dargestellt.
Falscher sozialer Beweis (Fake social proof)
Erfundene Bewertungen, Kundenstimmen oder Aktivitätsmeldungen lassen ein Produkt beliebter oder vertrauenswürdiger wirken, als es ist.
Falsche Dringlichkeit (Fake urgency)
Eine erfundene Frist drängt den Nutzer, einen Vorgang sofort abzuschließen.
Beschämendes Ablehnen (Confirmshaming)
Der Nutzer wird emotional manipuliert und tut etwas, das er sonst nicht tun würde. Am häufigsten sehe ich es als Text zum Ablehnen, der den Nutzer schuldig fühlen lässt.

Sechs Typen stehen nicht in der Liste: falsche Knappheit, getarnte Werbung, aufdringliches Erinnern, verhinderter Vergleich, Design, das süchtig macht, und Verwirrung mit virtueller Währung. Die vollständige Liste steht in den Quellen.

Warum sie so verbreitet sind

Dark Patterns entstehen oft nicht aus böser Absicht einer Designerin. Die meisten Teams messen einen Screen an einer einzigen Zahl, und die Falle hebt diese Zahl kurzfristig. Ein vorab angekreuztes Kästchen sieht in der ersten Woche im Bericht zum Zusatzverkauf gut aus.

Das Problem: Die Kosten tauchen auf einem anderen Dashboard auf. Rücksendungen landen im Bericht des Supports, wer nicht kündigen kann, schreibt auf einer Beschwerdeseite. Der Vertrieb sieht den Gewinn, den Verlust trägt ein anderes Team.

Dazu kommt der Kopiereffekt. Das Team sieht eine Falle auf einer anderen Website und hält sie für „Branchenstandard“. Dass eine Falle verbreitet ist, macht sie aber nicht richtig.

Die Grenze zwischen Überzeugen und Täuschen

Nicht jede Lenkung ist ein Dark Pattern. Das empfohlene Paket hervorzuheben oder etwas zu erleichtern, das der Nutzer ohnehin will, ist legitime Designarbeit. Ich ziehe die Grenze mit den Fragen unten und schaue mir die Antworten zusammen an.

  • Sieht der Nutzer alle Informationen vor dem Moment der Entscheidung?
  • Ist die andere Option so leicht zu finden und zu wählen wie die hervorgehobene?
  • Würde der Nutzer, der sich eine Woche später an den Screen erinnert, denken, dass er getäuscht wurde?

Können Sie die ersten beiden mit „ja“ und die letzte mit „nein“ beantworten, überzeugen Sie sehr wahrscheinlich. Andernfalls schauen Sie sich den Screen noch einmal an.

Rechtslage in Deutschland: der Kündigungsbutton

Für einen der Typen oben gibt es in Deutschland eine sehr konkrete Regel: die schwere Kündigung. § 312k BGB regelt die Kündigung von Verbraucherverträgen im elektronischen Geschäftsverkehr.

Kann ein Verbraucher über eine Website einen Vertrag schließen, der ein Dauerschuldverhältnis mit einer entgeltlichen Leistung des Unternehmers begründet, muss der Unternehmer eine Kündigungsschaltfläche bereitstellen. Laut Gesetz ist sie gut lesbar mit nichts anderem als den Wörtern „Verträge hier kündigen“ oder einer entsprechenden eindeutigen Formulierung beschriftet.

Diese Schaltfläche führt unmittelbar zu einer Bestätigungsseite. Dort macht der Verbraucher Angaben zur Art der Kündigung, zu seiner Identifizierbarkeit, zum Vertrag, zum gewünschten Zeitpunkt und dazu, wohin die Bestätigung geschickt wird. Die Bestätigungsschaltfläche ist mit „jetzt kündigen“ oder einer entsprechenden eindeutigen Formulierung beschriftet. Schaltflächen und Bestätigungsseite müssen ständig verfügbar sowie unmittelbar und leicht zugänglich sein.

Das Gesetz nennt Ausnahmen, etwa für Verträge über Finanzdienstleistungen und für Verträge, deren Kündigung gesetzlich eine strengere Form als die Textform verlangt.

Für das Design heißt das: Ein Kündigungsweg, der hinter einem Login, drei Rückhalteangeboten und einem Telefonanruf liegt, ist nicht nur ein Dark Pattern. Für Verträge, die unter § 312k fallen, widerspricht er auch dem Gesetz.

Hinweis: Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung. Lesen Sie für Ihren Fall den Gesetzestext und fragen Sie eine Juristin oder einen Juristen. Weitere europäische Regeln, etwa im Digital Services Act, habe ich hier nicht aufgenommen, weil ich ihren Text für diese Seite nicht öffnen konnte.

Wurden Sie getäuscht? Ein Spiel mit fünf Screens

Ein Dark Pattern zu beschreiben, ist leicht, es auf dem Screen zu erkennen, schwerer. Schauen Sie sich die fünf ausgedachten Ausschnitte unten an und treffen Sie für jeden Ihre Wahl. Sobald Sie wählen, öffnen sich Antwort und Erklärung.

Wurden Sie getäuscht?

Schauen Sie sich jeden Screen an und entscheiden Sie: Täuscht er den Nutzer, oder ist er sauber?

  1. Screen 1 von 5 · Zahlungsschritt

    Bestellübersicht

    Kabellose Kopfhörer34,90 €

    Versand0 €

    Angekreuztes Kästchen: Versandschutz hinzufügen (+2,99 €)

    Gesamt37,89 €

    Weiter zur Zahlung

    Antwort: Dark Pattern, Vorauswahl. Das Kästchen für den kostenpflichtigen Schutz wurde für Sie angekreuzt. Wer es nicht bemerkt, zahlt 2,99 €, die er nicht wollte.

  2. Screen 2 von 5 · Abo-Einstellungen

    Premium kündigen

    Ihr Abo verlängert sich am 14. Dezember. Wenn Sie kündigen, nutzen Sie es bis dahin weiter, und es wird keine neue Gebühr fällig.

    Jetzt kündigenAbo behalten

    Antwort: sauber. Was passiert, steht klar da, beide Optionen haben dasselbe Gewicht, und die Kündigung ist in einem Schritt erledigt.

  3. Screen 3 von 5 · Ticketkauf

    Schritt 1 von 4 · Ticketwahl

    Konzertticket, Stehplatz45 €

    Schritt 4 von 4 · Zahlung

    Ticket45 €

    Servicegebühr8,50 €

    Bearbeitungsgebühr2,50 €

    Gesamt56 €

    Antwort: Dark Pattern, versteckte Kosten. Im ersten Schritt kostet das Ticket 45 €, die zwei Gebühren erscheinen erst im letzten Schritt. Weil der Nutzer bis dahin Mühe investiert hat, fällt es ihm schwer, umzukehren.

  4. Screen 4 von 5 · Registrierung

    Konto erstellen

    Ihre E-Mail-Adresse

    Leeres Kästchen: Ich möchte Angebote per E-Mail erhalten. Das können Sie jederzeit in den Einstellungen abschalten.

    Konto erstellen

    Antwort: sauber. Das Kästchen für die Einwilligung ist leer, der Nutzer kreuzt es an, wenn er will. Der Text sagt auch, wie man die Einwilligung später widerruft.

  5. Screen 5 von 5 · Pop-up

    10 % Rabatt auf Ihre erste Bestellung

    Melden Sie sich für den Newsletter an, dann kommt Ihr Code per E-Mail.

    Ihre E-Mail-Adresse

    Code senden

    Nein, ich zahle gern den vollen Preis

    Antwort: Dark Pattern, Confirmshaming. Die Option zum Ablehnen wurde zu einem Satz gemacht, der den Nutzer herabsetzt. Ein einfaches „Nein, danke“ hätte gereicht.

Die Screens sind ausgedacht und zeigen kein echtes Produkt. Die deutschen Typnamen sind meine Übersetzung der Namen aus der Liste von deceptive.design. Sie können Ihre Antwort ändern, der Zähler aktualisiert sich bei jeder Wahl.

Die Falle im fünften Screen ist am leichtesten zu sehen, weil sie sich mit einem Satz verrät. Die im ersten ist hinterhältiger. Das Kästchen ist angekreuzt, und der Gesamtbetrag steigt nur um 2,99 €; dieser Unterschied geht leicht unter.

Wenn Sie einen der sauberen Screens für ein Dark Pattern gehalten haben, ist das auch ein gutes Zeichen. Ihr Auge ist daran gewöhnt, Fallen zu suchen. Schauen Sie trotzdem, was die beiden sauberen Screens gemeinsam haben: Die Information kommt zuerst, und die Wahl bleibt beim Nutzer.

In echten Produkten stehen Fallen nicht so allein. Auf einer Zahlungsseite können ein vorab angekreuztes Kästchen und ein falscher Countdown nebeneinanderstehen. Im Audit schreibe ich jeden als eigenen Befund, weil die Korrektur jedes Mal bei einem anderen Team landet.

Wie Sie sie im eigenen Produkt erkennen

Die Falle im eigenen Produkt zu sehen, ist schwerer als bei anderen. Weil Sie den Screen jeden Tag sehen, gewöhnt sich das Auge daran. Ich empfehle Teams diese kurze Runde.

  1. Legen Sie ein neues Konto an und versuchen Sie, nicht das teuerste Paket, sondern den günstigsten Weg zu wählen. Wie viele Schritte hat es gedauert, wie oft kam „Sind Sie sicher?“
  2. Legen Sie ein Produkt in den Warenkorb und notieren Sie den ersten Preis, den Sie sehen. Vergleichen Sie ihn mit dem Gesamtbetrag im Zahlungsschritt.
  3. Schreiben Sie bei jedem angekreuzten Kästchen auf Registrierungs- und Zahlungsscreens auf, wozu es Sie verpflichtet.
  4. Versuchen Sie, das Abo zu kündigen. Geht das auf dem Gerät, auf dem Sie es abgeschlossen haben, und in derselben Zeit?
  5. Lesen Sie jeden Text zu „Nein“ und „Ablehnen“ laut vor. Würden Sie das einem Kunden ins Gesicht sagen?

Lassen Sie diese Runde von jemandem im Team machen, der das Produkt nie benutzt hat. Notieren Sie die Ergebnisse entlang des Ablaufs, dann sehen Sie sofort, in welchen Schritten sich die Fallen sammeln.

Wie man sie behebt

Der Kern jeder Korrektur ist eine Frage: Würde der Nutzer, der diesen Screen einer Freundin beschreibt, sagen, dass er getäuscht wurde? Wenn ja, ändern Sie den Screen. Unten stehen die Korrekturen, die ich für die häufigsten Typen anwende.

Vorauswahl entfernen

Jedes Kästchen, das etwas kostet oder eine Einwilligung verlangt, ist leer. Ist das Zusatzprodukt wirklich nützlich, beschreiben Sie es klar, und der Nutzer wählt es selbst. Wie man Kästchen beschriftet, beschreibe ich auf der Seite zum Formulardesign.

Den Gesamtpreis auf dem ersten Screen zeigen

Gibt es eine Pflichtgebühr, steht sie neben dem ersten Preis. Nach dem, was ich in Audits sehe, stört Nutzer weniger die Gebühr als die Überraschung. Eine Gebühr, die im letzten Schritt auftaucht, zerstört auf einen Schlag das Vertrauen, das bis dahin entstanden ist.

Den Ausgang so leicht machen wie den Eingang

Öffnet sich ein Abo in zwei Schritten, endet auch die Kündigung in zwei Schritten. Schreiben Sie auf den Kündigungsscreen, was passiert: Wie lange gilt der Zugang noch, wird erneut abgebucht? Ein Angebot zum Bleiben dürfen Sie machen, aber einmal und überspringbar. Für Verträge unter § 312k BGB gibt das Gesetz die Schaltflächen ohnehin vor.

Optionen gleich gewichten

„Akzeptieren“ und „Ablehnen“ sind gleich groß und haben denselben Kontrast. Ist das eine ein gefüllter Button und das andere ein blasser Link, wird dem Nutzer eine Richtung aufgedrängt. Denken Sie daran, dass blasser Text auch die Barrierefreiheit verschlechtert. Das messen Sie leicht mit dem Kontrastrechner.

Den Text zum Ablehnen neutral schreiben

„Nein, danke“ oder „Jetzt nicht“ reichen. Jeder Satz, der den Nutzer beschuldigt, verschmutzt auch die Stimme der Marke.

Zahlen ehrlich halten

Steht „Nur noch 2 Stück“, müssen wirklich 2 auf Lager sein. Fängt ein Countdown beim Neuladen der Seite von vorn an, ist er eine Lüge.

Die Regel dem Team schriftlich geben

Einen Screen zu korrigieren, reicht nicht, weil die nächste Kampagne dieselbe Falle zurückbringt. Ich empfehle Teams, neben den Designprinzipien eine kurze Liste „Was wir nicht tun“ zu führen. Gibt es ein Designsystem, steht diese Liste in seiner Dokumentation, direkt bei den Komponenten für Kästchen und Buttons.

Die Liste ist kurz und konkret. Zum Beispiel: Kostenpflichtige Kästchen sind leer, der Gesamtpreis steht auf dem ersten Screen, die Kündigung braucht so viele Schritte wie der Abschluss, der Text zum Ablehnen ist neutral. Bei jeder neuen Designabnahme wird die Liste einmal gelesen.

Es hilft, wenn Produkt und Marketing die Liste gemeinsam unterschreiben. Schlägt im Meeting jemand ein vorab angekreuztes Kästchen vor, verlässt die Diskussion die persönliche Meinung und kehrt zur Entscheidung zurück, die das Team schon getroffen hat.

Die richtige Kennzahl verfolgen

Schauen Sie nach einer Korrektur nicht nur auf die Conversion-Rate. Rücksendungen, Kündigungsquote, Supportanfragen und Wiederkäufe gehören auf dasselbe Dashboard.

Wenn Sie ein Dark Pattern entfernen, kann der erste Verkauf etwas sinken. Werden die anderen Zahlen aber besser, war das, was Sie verloren haben, ohnehin nicht von Dauer. Ich empfehle, diesen Vergleich mindestens einen Abrechnungszeitraum lang zu verfolgen, weil sich die Wirkung beim Abo erst am Tag der Verlängerung zeigt.

Der Weg, diese Prüfungen in einem Ablauf einzeln zu machen, ist die heuristische Evaluation. In dieser Runde stütze ich mich am meisten auf Jakob Nielsens Heuristik „Nutzerkontrolle und Freiheit“. Sie verlangt einen klar markierten „Notausgang“, über den man eine ungewollte Aktion ohne langen Prozess verlassen kann.

Meine Notiz

In Audits hat das Dark Pattern meist niemand bewusst eingebaut. Ein Marketingziel trifft auf den Satz „Die Konkurrenz macht das auch so“. Heraus kommt eine Falle, die niemandem gehört.

Ich sage Teams immer dasselbe: Wenn Sie die Conversion messen, messen Sie auch Kündigungs- und Rücksendequote. Ein vorab angekreuztes Kästchen scheint den Umsatz zu steigern. Steigen im selben Monat Rücksendungen und Supportanfragen, ist das, was Sie als Gewinn verbuchen, eigentlich eine Schuld.

Wer im Meeting für den Nutzer spricht, ist oft die Designerin. „Nein“ zu einem Dark Pattern zu sagen, ist manchmal der schwerste Satz in diesem Meeting. Ein Gesetzestext wie § 312k BGB ist ein konkreter Text, auf den Sie sich dabei stützen können.

Wenn Sie in Ihrem Produkt nach diesen Fallen suchen lassen wollen: Der UX Audit schaut auch darauf. Wie ein Audit abläuft, beschreibe ich im Ratgeber zum UX-Audit.

Häufige Fragen

Was ist ein Dark Pattern?

Ein Dark Pattern ist ein Interfacedesign, das Nutzer zu etwas drängt, das sie nicht wollen. Die Beispiele, die ich am häufigsten sehe, sind vorab angekreuzte kostenpflichtige Kästchen und Gebühren, die im letzten Schritt auftauchen.

Wie heißen Dark Patterns heute?

Der heutige englische Name ist Deceptive Pattern, also täuschendes Muster. Die Website darkpatterns.org von Harry Brignull heißt heute deceptive.design. Im Deutschen bleibt man meist beim englischen Begriff.

Sind Dark Patterns in Deutschland verboten?

Für einen Typ gibt es eine sehr konkrete Regel: § 312k BGB schreibt für viele online abschließbare Verbraucherverträge mit wiederkehrender Leistung einen Kündigungsbutton mit „Verträge hier kündigen“ und eine Bestätigungsseite vor. Das ist keine Rechtsberatung.

Was unterscheidet überzeugendes Design von einem Dark Pattern?

Überzeugendes Design erleichtert etwas, das der Nutzer ohnehin will. Ein Dark Pattern versteckt Information oder verfälscht die Wahl und drängt den Nutzer zu einer Entscheidung zu seinem Nachteil. Fühlt sich der Nutzer später getäuscht, sind Sie im zweiten Fall.

Quellen (5)
  1. Deceptive Patterns (deceptive.design, Testimonium Ltd.), Startseite. abgerufen am 3.11.2026; Definition, online seit 2010, früherer Name darkpatterns.org
  2. Deceptive Patterns (deceptive.design), About us. abgerufen am 3.11.2026; Harry Brignull, 2010, Namensänderung und Begründung
  3. Deceptive Patterns (deceptive.design), Types of deceptive pattern. abgerufen am 3.11.2026; Liste und Definitionen der 18 Typen
  4. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 312k Kündigung von Verbraucherverträgen im elektronischen Geschäftsverkehr. Gesetzestext abgerufen am 3.11.2026; Kündigungsschaltfläche, Bestätigungsseite, „jetzt kündigen“, Ausnahmen
  5. Jakob Nielsen, Nielsen Norman Group, 10 Usability Heuristics for User Interface Design. 1994, aktualisierte Fassung; Heuristik 3 User Control and Freedom