Das Miller'sche Gesetz (7 plus/minus 2)
Das Miller'sche Gesetz besagt, dass ein Mensch im Kurzzeitgedächtnis gleichzeitig etwa 7 (plus/minus 2) Einheiten behalten kann. Es geht auf den Artikel des Psychologen George A. Miller von 1956 zurück. In der Oberfläche entspricht ihm das Gruppieren. Teilen Sie Informationen, die Nutzer im Kopf behalten müssen, in sinnvolle Teile, schreiben Sie eine Handynummer etwa als 0172 3456 7890.
Kurz gesagt
Lesen Sie eine Telefonnummer auf einem Bildschirm und tippen Sie sie auf einem anderen ein, behalten Sie sie einige Sekunden im Kopf. Das Miller'sche Gesetz beschreibt, dass dieses Kurzzeitgedächtnis eng ist. Man spricht auch von der Millerschen Zahl oder der Regel 7 plus/minus 2.
Laut der Definition von Laws of UX kann ein durchschnittlicher Mensch nur 7 (plus/minus 2) Einheiten im Arbeitsgedächtnis halten. Das Schlüsselwort ist „Einheit“. Eine Einheit kann eine einzelne Ziffer sein oder eine sinnvolle Gruppe.
Sehen Sie diesen Unterschied im Test unten selbst. Merken Sie sich eine Nummer derselben Art erst gruppiert, dann ungruppiert.
Live-Demo: Merken Sie sich die Nummer
Wählen Sie Telefonnummer oder IBAN und dann die Schreibweise. Drücken Sie Zeigen und merken Sie sich die Nummer. Wenn Sie bereit sind, drücken Sie Ausblenden und tippen, geben Sie ein, woran Sie sich erinnern, und vergleichen Sie.
Dieser Test funktioniert mit JavaScript. Ist es aus, sehen Sie sich die zwei Schreibweisen derselben Nummer an und überlegen Sie, welche Sie leichter behalten.
- Ungruppiert
- 017234567890
- Gruppiert
- 0172 3456 7890
Was wollen Sie sich merken?
Schreibweise
Hier erscheint die Nummer.
Bereit. Wählen Sie Art und Schreibweise und drücken Sie dann Zeigen.
| Schreibweise | Versuche | Mittel richtig |
|---|---|---|
| Telefon, gruppiert | 0 | - |
| Telefon, ungruppiert | 0 | - |
| IBAN, gruppiert | 0 | - |
| IBAN, ungruppiert | 0 | - |
Die Nummern werden in jeder Runde zufällig erzeugt und gehören niemandem. Die IBANs sind keine echten Kontonummern, die Prüfziffer stimmt nicht. Der Wert prüft, ob jedes Zeichen an der richtigen Stelle steht. Das ist kein kontrolliertes Experiment: Machen Sie in jeder Schreibweise einige Runden und vergleichen Sie die Mittelwerte.
Probieren Sie danach die IBAN. Laut dem Wikipedia-Artikel zur IBAN hat eine deutsche IBAN 22 Zeichen. Gedruckt wird sie in Vierergruppen geschrieben, bei elektronischer Übertragung ohne Leerzeichen.
Wundern Sie sich nicht, wenn Sie auch die gruppierte IBAN nicht vollständig behalten. 22 Zeichen ergeben in Vierergruppen 6 Teile, das liegt schon nah an der Grenze des Gesetzes.
Herkunft: George A. Miller, 1956
Quelle des Gesetzes ist der Artikel des Psychologen George A. Miller: „The magical number seven, plus or minus two: Some limits on our capacity for processing information“. Er erschien 1956 im 63. Band der Psychological Review, Seiten 81–97.
Der Artikel beginnt mit einem berühmten Satz: „My problem is that I have been persecuted by an integer.“ Auf Deutsch etwa: Eine ganze Zahl verfolgt mich. Diese Zahl ist die Sieben.
Miller stellt zwei Arten von Experimenten nebeneinander. Die erste ist das absolute Urteil: Die Person hört Töne einzeln und bezeichnet jeden mit einer Zahl.
Die zweite ist die unmittelbare Gedächtnisspanne. Laut der Zusammenfassung von Laws of UX sind beide auf etwa 7 Informationseinheiten begrenzt.
Zur Gedächtnisspanne schreibt Miller: „for a lot of different kinds of test materials this span is about seven items in length“. Übersetzt: Bei vielen verschiedenen Testmaterialien umfasst diese Spanne etwa sieben Einheiten.
Die nützlichste Idee des Artikels ist für mich die Unterscheidung zwischen Bit und Chunk. Das Umwandeln kleiner Einheiten in größere Chunks nennt Miller Umkodieren (Recoding). Ihm zufolge ist das eine äußerst starke Waffe, um die verarbeitbare Information zu erhöhen.
Miller stellt die Sieben auch nicht als feste Regel dar. Am Ende des Artikels schreibt er, dass er sein Urteil vorerst zurückhält. Er vermutet, dass all diese Siebenen „a pernicious, Pythagorean coincidence“ sein könnten, also ein tückischer pythagoreischer Zufall.
Ein Hinweis: Die Formulierung „plus/minus 2“ steht nicht im Text des Artikels, sondern im Titel.
Häufiger Missbrauch: höchstens 7 Menüpunkte
Den Satz, den ich zu diesem Gesetz am häufigsten höre: „Ein Menü darf höchstens 7 Punkte haben.“ Das ist ein Mythos. Beide Quellen warnen davor.
Kate Moran von der Nielsen Norman Group schreibt, dass die magische Sieben oft missverstanden wird. Die falsche Lesart lautet, Menschen könnten zu jedem Zeitpunkt nur sieben Chunks verarbeiten. Moran nennt als Beispiel Designer, die in der Hauptnavigation nicht mehr als sieben Optionen erlauben, und hält das für eine unnötige Einschränkung.
Ihre Begründung ist einfach. Laut Moran beruht ein Menü auf Wiedererkennen: Die Einträge stehen auf dem Bildschirm, Nutzer müssen sie nicht im Kopf behalten.
Das ist dieselbe Idee wie die sechste von Jakob Nielsens 10 Usability-Heuristiken: Wiedererkennen statt Erinnern. Nielsen empfiehlt, die Gedächtnislast der Nutzer zu senken, indem Elemente, Aktionen und Optionen sichtbar bleiben.
Laws of UX warnt ebenso: Nehmen Sie die magische Sieben nicht als Begründung für unnötige Designeinschränkungen. Die Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses schwankt von Person zu Person und hängt von Vorwissen und Kontext ab.
Auch die Sieben selbst ist umstritten. Moran vermerkt, dass andere Forschende die richtige Zahl eher zwischen drei und sechs sehen. Die Grenze kann also enger sein als sieben. Für das, was auf dem Bildschirm steht, gilt sie trotzdem nicht.
Bei einem langen Menü geht es eigentlich um die Wahlzeit. Die beschreibt das Hick'sche Gesetz.
Richtig anwenden mit Chunking
Die richtige Entsprechung des Gesetzes in der Oberfläche ist Chunking, also das Bilden von Gruppen. In Morans Definition bedeutet Chunking, Inhalte in kleine, voneinander getrennte Einheiten zu teilen. Diese Einheiten müssen im Ganzen einen Sinn ergeben.
Abbildung: Gruppieren senkt die Zahl der Einheiten, die man im Kopf behalten muss, von 12 auf 3. Die Nummer ist ein Beispiel.
Nummern gruppieren
In Morans Beispiel lässt sich eine gruppierte Telefonnummer leichter behalten und überfliegen als eine lange Ziffernfolge. Auch Kreditkartennummern werden meist in vier Vierergruppen gezeigt.
Zeigen Sie Handynummern wie 0172 3456 7890 und IBANs in Vierergruppen. Muss die Person die Nummer irgendwo ablesen und woanders eintippen, erleichtert die angezeigte Schreibweise diese Arbeit.
Leerzeichen im Eingabefeld akzeptieren
Unterstützen Sie das Gruppieren nicht nur beim Anzeigen, sondern auch beim Tippen. Auch Moran empfiehlt, dass Eingabefelder die Eingabe selbst gruppieren. Lehnt ein IBAN-Feld Eingaben mit Leerzeichen ab, führt eine gruppiert kopierte Nummer zu einem Fehler.
Ich empfehle in diesen Feldern, Leerzeichen stillschweigend zu entfernen und die Eingabe gruppiert anzuzeigen. Details stehen im Muster Formulardesign.
Lange Inhalte teilen
Chunking gilt auch für Text. Zu Morans Beispielen für Text gehören kurze, durch Abstand getrennte Absätze und Zwischenüberschriften, die sich deutlich vom Text abheben. Das empfiehlt auch Laws of UX: Inhalte in kleinere Teile gliedern.
Meine Notiz
Ich nutze das Miller'sche Gesetz nicht als Zahlenregel. Beim Prüfen eines Bildschirms frage ich: Muss die Person hier etwas im Kopf mitnehmen?
Die IBAN, die bei einer Überweisung von Bildschirm zu Bildschirm getragen wird, ist ein Beispiel. Auch der Bestätigungscode aus der SMS beim Bezahlen. Gruppieren Sie solche Angaben oder machen Sie sie kopier- und einfügbar.
Am besten ist, wenn sich die Person gar nichts merken muss.
Solche Gedächtnislasten markiere ich bei einer heuristischen Evaluation Bildschirm für Bildschirm. Wollen Sie diese Prüfung für Ihr eigenes Produkt machen lassen, sehen Sie sich das UX Audit an.
Verwandte Seiten
Miller beschreibt, was die Person im Kopf behält. Wie lange sie für die Wahl unter vielen Optionen braucht, beschreibt das Hick'sche Gesetz, wie lange sie zum Ziel braucht, das Fitts'sche Gesetz.
Die übrigen Gesetze stehen in der Liste der UX-Gesetze.
Häufige Fragen
Was ist das Miller'sche Gesetz?
Der Grundsatz, dass ein Mensch im Kurzzeitgedächtnis gleichzeitig etwa 7 (plus/minus 2) Einheiten behalten kann. Er geht auf den Artikel von George A. Miller aus dem Jahr 1956 zurück.
Was bedeutet 7 plus/minus 2?
Sieben Einheiten, plus oder minus zwei, also zwischen 5 und 9. Die Formulierung stammt aus dem Titel von Millers Artikel. Andere Forschende vermuten, dass die Grenze zwischen 3 und 6 Chunks liegt.
Darf ein Menü höchstens 7 Punkte haben?
Nein. Menüpunkte stehen auf dem Bildschirm, Nutzer erinnern sich nicht an sie, sondern erkennen sie wieder. Deshalb setzt das Miller'sche Gesetz der Menülänge keine Grenze. Bei einem langen Menü kommt es darauf an, die Einträge in sinnvolle Gruppen zu teilen.
Wie wendet man das Miller'sche Gesetz in der Oberfläche an?
Gruppieren Sie Informationen, die Nutzer eine Zeit lang im Kopf behalten müssen. Telefonnummer, IBAN und Kartennummer sind Beispiele. Wenn möglich, machen Sie das Merken mit Kopieren und automatischem Ausfüllen ganz überflüssig.
Quellen (5)
- George A. Miller, The magical number seven, plus or minus two: Some limits on our capacity for processing information, Psychological Review 63, 81–97. 1956; Volltext, Classics in the History of Psychology (York University)
- Laws of UX (lawsofux.com), Miller's Law. abgerufen am 3. November 2026; Definition, Empfehlungen, Herkunft
- Kate Moran, How Chunking Helps Content Processing, Nielsen Norman Group. 20. März 2016; Chunking, Beispiele mit Telefon- und Kartennummer, Eingabefelder, Mythos der sieben Menüpunkte
- Jakob Nielsen, 10 Usability Heuristics for User Interface Design, Nielsen Norman Group. 1994, zuletzt geprüft am 30. Januar 2024; Heuristik 6: Wiedererkennen statt Erinnern
- Wikipedia, International Bank Account Number. abgerufen am 3. November 2026; Länge der deutschen IBAN und Schreibweise in Vierergruppen