Die 3-Klick-Regel: Warum die Zahl der Klicks das falsche Maß ist

Kurz gesagt

Die 3-Klick-Regel ist eine ungeschriebene Regel, nach der jede Seite mit höchstens drei Klicks erreichbar sein soll. Daten stützen sie nicht. In Joshua Porters Studie mit 44 Nutzern von 2003 gaben Nutzer nach drei Klicks nicht häufiger auf als nach zwölf. Entscheidend ist, ob Nutzer finden, was sie suchen.

  • Die 3-Klick-Regel ist eine ungeschriebene Regel: Jede Seite soll mit höchstens drei Klicks erreichbar sein.
  • Wer die Regel aufgebracht hat, ist unbekannt. Die älteste schriftliche Spur, die NN/g fand, ist Zeldmans Buch von 2001, und auch das beschreibt die Regel schon als verbreitete Idee.
  • Joshua Porter untersuchte 2003 die 620 Aufgaben von 44 Nutzern. Beim dritten Klick gaben nicht mehr Menschen auf als später.
  • NN/g erklärte die Regel 2019 ausdrücklich für falsch. Die Empfehlung: Bezeichnungen klarer machen, statt Klicks zu zählen.

Die Geschichte: Woher stammt die Regel?

Die Regel ist einfach: Jede Seite soll höchstens drei Klicks von der Startseite entfernt sein. Dahinter steht die Annahme, dass Nutzer aufgeben, wenn sie in drei Klicks nichts finden.

Es gibt auch eine weichere Variante. Danach sollen nur die wichtigsten Informationen innerhalb von drei Klicks liegen. NN/g schreibt, dass Designer die Regel oft auf die Informationsarchitektur, also das Website-Menü, anwenden, manchmal auch auf Formulare und Assistenten, die Schritt für Schritt vorangehen.

Joshua Porter schreibt 2003, die Regel sei fast so alt wie das Web selbst. Bis dahin sei sie kaum hinterfragt worden.

Welche Rolle spielt Zeldman?

Der Name der Regel fällt oft zusammen mit Jeffrey Zeldman. Porter zitiert eine Stelle aus Zeldmans Buch Taking Your Talent to the Web, in der die Regel beschrieben wird. Das Buch stellt sie als Grundsatz dar, der auf der Art beruht, wie Menschen das Web nutzen.

Auch Page Laubheimer von NN/g sieht sich dieses Buch an. Er schreibt, die älteste schriftliche Quelle, die er finden konnte, sei dieses Buch von 2001. Das Buch erfindet die Regel aber nicht. Es gibt sie als unter Designern schon verbreitete Überzeugung wieder und legt keine Daten vor.

Das Buch selbst habe ich nicht gelesen. Was Zeldman sagt, gebe ich hier deshalb nur so weit wieder, wie es diese beiden Artikel berichten. Eine Quelle, die zeigt, wer die Regel zuerst ausgesprochen hat, habe ich nicht gefunden.

Porters Test: 8.000 Klicks

Joshua Porter prüft die Regel in seinem Artikel „Testing the Three-Click Rule“ vom 16. April 2003 mit Daten. Der Artikel steht heute auf der Website von Center Centre. Laut seiner Autorenangabe arbeitete Porter fünf Jahre als Research Consultant bei UIE (User Interface Engineering).

In der Studie bearbeiteten 44 Nutzer 620 Aufgaben. Ausgewertet wurden mehr als 8.000 Klicks. Jede Aufgabe wurde als erfolgreich oder gescheitert markiert, und die Nutzer bewerteten nach jeder Aufgabe ihre Zufriedenheit.

Ergebnisse

FragePorters Befund
Geben Nutzer beim dritten Klick auf?Nein. Die Wahrscheinlichkeit aufzugeben war nach drei Klicks nicht höher als nach 12 Klicks.
Sind erfolgreiche Aufgaben kürzer?Nein. Erfolgreiche und gescheiterte Aufgaben hatten dieselbe Längenverteilung.
Nach wie vielen Klicks enden Aufgaben?Erst bei 15 Klicks waren 80 % der Aufgaben abgeschlossen.
Wie lang ist der längste Weg?Manche Nutzer besuchten bis zu 25 Seiten, bevor sie ihre Aufgabe beendeten.
Machen weniger Klicks zufriedener?Nein. Der Anteil der Unzufriedenen lag bei jeder Aufgabenlänge zwischen 46 % und 61 %.

Porters Fazit ist kurz: Weniger Klicks bedeuten keine zufriedeneren Nutzer. Für Nutzer zählt, ob sie finden, was sie suchen.

Der Artikel enthält auch einen ehrlichen Vorbehalt. In einer früheren E-Commerce-Studie des Teams kauften Nutzer, die mehr Seiten besuchten, weniger. Gescheitert waren aber vor allem die, die immer wieder auf „Zurück“ klickten. Das Team war sich nicht sicher, ob das Problem die Zahl der Klicks war oder das Abkommen vom richtigen Weg.

Das Urteil von NN/g: Die Regel ist falsch

Sechzehn Jahre später, am 11. August 2019, griff Page Laubheimer von NN/g das Thema wieder auf. Der Titel ist eindeutig: „The 3-Click Rule for Navigation Is False“, also: Die 3-Klick-Regel für Menüs ist falsch.

Laut Laubheimer stützt keine veröffentlichte Studie die Regel. Auch ist drei keine magische Schwelle, ab der Nutzer plötzlich frustriert sind. Warum Klickzählen in die Irre führt, erklärt er so:

  • Wie viele Klicks nötig sind, hängt von der Komplexität der Aufgabe ab. Eine einzige Zahl passt nicht zu jeder Aufgabe.
  • Nicht jeder Klick kostet gleich viel. Eine neue Seite zu laden dauert länger, als ein Akkordeon aufzuklappen.
  • Die Zahl der Klicks zeigt nicht die Fehler, Missverständnisse und Verwirrung, die Nutzer unterwegs erleben.

Der Artikel weist auch auf einen Widerspruch hin. Das Ziel von drei Klicks drängt Designer zu sehr vielen Oberkategorien. Gleichzeitig gibt es eine andere Regel, ebenfalls ohne Daten, nach der das Hauptmenü höchstens 7 Rubriken haben soll. Wer beide einhalten will, steht zwischen zwei schlechten Optionen.

Das Beispiel von NN/g ist NYC.gov, die Website der Stadt New York. Einen defekten Wasserzähler zu melden, dauert 3 Klicks. Der letzte Link, „Water Meter Complaint“, ist aber der 133. Link seiner Liste. Auf dem Papier ist die Regel erfüllt, trotzdem muss der Nutzer eine lange Liste durchsuchen.

Auch zur Geschwindigkeit gibt es einen klaren Satz: 3 Klicks mit jeweils langer Ladezeit sind eine schlechtere Erfahrung als 5 Klicks, die schnell laden.

Quellencheck: Was wir wissen und was nicht

Auf dieser Seite gebe ich nur wieder, was in den zwei Artikeln steht, die ich geöffnet und gelesen habe. Welche Angabe gesichert und welche unklar ist, sehen Sie in der Tabelle.

ThemaStandAnmerkung
Wer die Regel zuerst nannteUnbekanntDie älteste schriftliche Spur, die NN/g fand, ist Zeldmans Buch von 2001. Das Buch beschreibt die Regel als verbreitete Überzeugung.
Daten, die die Regel stützenKeineLaut NN/g gibt es keine veröffentlichte Studie, die die Regel stützt.
Umfang von Porters StudieBekannt44 Nutzer, 620 Aufgaben, mehr als 8.000 Klicks. Autor und Datum sind bekannt.
Welche Websites getestet wurdenUnbekanntPorters Artikel nennt die getesteten Websites nicht.
Wie die Aufgaben ausgewählt wurdenUnbekanntDer Artikel beschreibt nicht, wie die Aufgaben ausgewählt wurden.
Sind wenige Klicks egal?Offene FrageIn Porters E-Commerce-Studie gingen lange Wege mit weniger Käufen einher. Ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang wurde nicht belegt.

Porters Studie ist eine einzelne Studie mit den Websites von 2003. Ihr Ergebnis eins zu eins auf heutige mobile Apps zu übertragen, wäre nicht richtig.

Die Richtung ist trotzdem klar. Es gibt keine Daten, die die Regel stützen, wohl aber Daten, die sie widerlegen. Deshalb sehe ich die 3-Klick-Regel nicht als Maßstab, sondern als Mythos.

Mini-Test: zwei Menüs, ein Produkt

Suchen Sie dasselbe Produkt in zwei verschiedenen Menüs. Menü A ist flach: In höchstens drei Klicks sind Sie beim Produkt, aber die Bezeichnungen sind vage. Menü B ist tiefer: Es braucht vier Klicks, aber jede Bezeichnung sagt, was darin steckt.

Es funktioniert auch mit der Tastatur: Gehen Sie mit Tab zu einer Option und drücken Sie Enter. Sobald Sie in einer Produktliste ankommen, sagt Ihnen eine Meldung, ob Sie an der richtigen Stelle sind.

Mini-Test

Aufgabe: Finden Sie in beiden Menüs den Saugroboter.

Menü A: flach, vage Bezeichnungen

In höchstens 3 Klicks sind Sie beim Produkt.

  • Leben
    • Smart Living: Smarte Glühbirne, Saugroboter (Ziel), Luftreiniger
    • Hobby: Nähmaschine, Malset, Campingstuhl
    • Sport: Laufband, Hantelset, Yogamatte
  • Technik
    • Smarte Geräte: Smartwatch, Smarte Steckdose, Überwachungskamera
    • Audio und Video: Kopfhörer, Lautsprecher, Beamer
    • Computer: Laptop, Tastatur, Monitor
  • Wohnen & Stil
    • Haushaltshelfer: Bügeleisen, Akku-Staubsauger, Wäscheständer
    • Deko: Stehlampe, Teppich, Spiegel
    • Küche: Kaffeemaschine, Standmixer, Sandwichmaker
  • Angebote
    • Auswahl der Woche: Thermoskanne, Kopfhörer, Schreibtischlampe
    • Outlet: Rucksack, Vorratsdose, Bluetooth-Lautsprecher

Menü B: tief, klare Bezeichnungen

Bis zum Produkt brauchen Sie 4 Klicks.

  • Elektronik
    • Handy und Zubehör: Smartphone, Ladegerät, Handyhülle
    • Computer und Tablet: Laptop, Tablet, Tastatur
    • TV, Audio und Video: Fernseher, Kopfhörer, Lautsprecher
  • Haus und Küche
    • Elektrische Haushaltsgeräte
      • Staubsauger und Reinigung: Akku-Staubsauger, Saugroboter (Ziel), Teppichreiniger
      • Bügeln und Dampf: Dampfbügeleisen, Bügelbrett, Dampfbügelstation
      • Heizen und Kühlen: Ventilator, Heizlüfter, Luftentfeuchter
    • Küchengeräte: Kaffeemaschine, Standmixer, Sandwichmaker
    • Möbel: Bücherregal, Stuhl, Couchtisch
  • Sport und Outdoor
    • Fitness: Laufband, Hantelset, Yogamatte
    • Camping: Zelt, Campingstuhl, Thermoskanne
  • Bücher und Hobby
    • Bücher: Roman, Kinderbuch, Kochbuch
    • Handarbeit: Nähmaschine, Malset, Wolle

Beide Menüs habe ich selbst gebaut, sie stammen von keiner echten Website. Jeder Druck auf einen Button zählt als Klick, auch Zurück. Das Ergebnis hängt von Ihren Vermutungen ab, es ist also keine Messung.

Trifft Ihre Vermutung in Menü A beim ersten Mal, sind Sie in 3 Klicks fertig. Trifft sie nicht, kostet Sie jeder falsche Zweig zwei weitere Klicks: einen hinein, einen zurück. „Smarte Geräte“ und „Haushaltshelfer“ wirken mindestens so plausibel wie „Smart Living“.

In Menü B sind vier Klicks nötig, aber zurückgehen müssen Sie kaum. An jeder Stelle erkennen Sie an der Bezeichnung, dass Sie auf dem richtigen Weg sind. Genau das ist der starke Informationsduft (Information Scent), den NN/g empfiehlt.

Meine Notiz

Sagt ein Team über sein Menü „alles in drei Klicks“, frage ich zuerst, welche Aufgabe gemeint ist. Eine Zahl, über die man spricht, ohne zu wissen, wie viele Schritte welche Aufgabe braucht, weist dem Team keinen Weg.

In Menüdiskussionen ist die Zahl der Klicks leicht zu messen und wird deshalb viel besprochen. Ob eine Bezeichnung verständlich ist, zeigt sich dagegen erst im Test mit echten Nutzern. Ich glaube, die Regel lebt deshalb so lange, weil sie so bequem ist.

Einem Gedanken am Ende von Porters Artikel stimme ich zu. Die Absicht der Regel ist gut: Sie lenkt den Blick auf die Informationen, die Nutzer brauchen. Das Problem ist, dass die Absicht an eine falsche Zahl gebunden wird.

Die Lehre für heute

Messen Sie das Verirren statt der Klicks. Wie oft jemand bei einer Aufgabe zurückgeht, sagt mehr als die Zahl der Klicks.

Schreiben Sie Bezeichnungen in der Sprache der Nutzer

NN/g empfiehlt, Menüpunkten Namen mit starkem Informationsduft zu geben. Vage, ungewohnte oder markenspezifische Namen sollten Sie vermeiden. Eine Rubrik wie „Leben“ oder „Entdecken“ sagt nicht, was darunter liegt.

Zeigen Sie, wo man gerade ist

Eine tiefe Struktur ist kein Problem, solange Nutzer wissen, wo sie sind. NN/g empfiehlt dafür Breadcrumbs und eine lokale Unternavigation. Bei mehrstufigen Wegen rät NN/g außerdem zu Übersichtsseiten oder Navigationsknoten an wichtigen Stellen. Diese Seiten erleichtern den Wechsel zu benachbarten Seiten derselben Kategorie.

Stellen Sie die häufigsten Aufgaben nach vorn

Versuchen Sie nicht, jede Seite in drei Klicks unterzubringen. Bestimmen Sie die wichtigsten Suchaufgaben und verlinken Sie sie von der Startseite und anderen wichtigen Seiten.

Halten Sie Seiten schnell

Ein Klick kostet so viel wie die Wartezeit danach. Laut NN/g können drei langsame Klicks schlechter sein als fünf schnelle.

Ersetzen Sie die Annahme durch einen Test

Ob Ihr Menü funktioniert, sehen Sie nicht am Besprechungstisch, Sie müssen es mit Nutzern testen. Geben Sie einigen Nutzern eine echte Aufgabe und notieren Sie, wo sie zurückgehen. Wie Sie den Test aufsetzen, beschreibe ich im Ratgeber zum Usability-Test.

Wollen Sie sehen, wo Ihr eigenes Menü Nutzer verliert, kann ich den Ablauf prüfen: UX Audit für Menü und Navigation.

Häufige Fragen

Wer hat die 3-Klick-Regel erfunden?

Das ist unbekannt. Die älteste schriftliche Quelle, die NN/g fand, ist Jeffrey Zeldmans Buch Taking Your Talent to the Web von 2001. Das Buch erfindet die Regel nicht, sondern gibt sie als unter Designern schon verbreitete Überzeugung wieder.

Ist die 3-Klick-Regel völlig falsch?

Als Maßstab ja. In Porters Studie von 2003 gaben beim dritten Klick nicht mehr Nutzer auf, und NN/g schreibt, dass keine Studie die Regel stützt. Laut Porter ist die Absicht der Regel trotzdem gut: Sie lenkt den Blick auf die Informationen, die Nutzer brauchen.

Wie viele Klicks sind zu viel?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Wie viele Klicks nötig sind, hängt von der Aufgabe ab. Erkennen Nutzer an jeder Stelle, dass sie richtig sind, und laden die Seiten schnell, sind auch vier oder fünf Klicks oft kein Problem.

Soll mein Menü flach oder tief sein?

Beide Extreme haben ihren Preis. Ein sehr breites Menü wird zu einer schwer überschaubaren Liste, ein sehr tiefes zu einem langen Abstieg. Machen Sie zuerst die Bezeichnungen klar und testen Sie die Struktur dann mit echten Aufgaben.

Quellen (2)
  1. Joshua Porter, "Testing the Three-Click Rule", Center Centre / UIE. abgerufen am 3. November 2026; 16. April 2003, Studie mit 44 Nutzern und 620 Aufgaben
  2. Page Laubheimer, "The 3-Click Rule for Navigation Is False", Nielsen Norman Group. abgerufen am 3. November 2026; 11. August 2019