Was ist Informationsarchitektur (information architecture)?

Kurz gesagt

Informationsarchitektur (information architecture, IA) ist die Struktur, die festlegt, wie Inhalte und Funktionen einer Website oder App gruppiert und benannt werden. Auf dem Screen sieht man sie nicht direkt. Navigationsteile wie Menü, Filter und Breadcrumb bauen auf dieser Struktur auf. In einer gut gebauten Informationsarchitektur finden Nutzer das Gesuchte dort, wo sie es erwarten.

Was Informationsarchitektur umfasst

Jen Cardello von der Nielsen Norman Group (NN/g) beschreibt Informationsarchitektur in zwei Teilen. Erstens die Entscheidung, welche Inhalte und Funktionen es auf der Website gibt. Zweitens die Ordnung, Struktur und Benennung, die die Beziehungen zwischen ihnen herstellt.

Diese Arbeit passiert in Tabellen und Diagrammen. Ein Inhaltsinventar anzulegen und Kategorienamen zu wählen, gehört genauso dazu. Cardello sagt es kurz: Die Informationsarchitektur speist die Oberfläche.

Navigation ist das Gesicht der Informationsarchitektur auf dem Screen. Hauptmenü, Seitenmenü, Breadcrumb, Filter und Footer sind Navigationskomponenten. Die Informationsarchitektur ist die Struktur, die entscheidet, was diese Komponenten zeigen.

Die Reihenfolge zählt: zuerst die Struktur, dann die Navigation. In Cardellos Beispiel wählt ein Team ein Menü in umgekehrter L-Form, weil ihm das Aussehen gefällt. Dieses Menü passt aber nur zu Websites, die höchstens vier Ebenen tief sind.

Laut Cardello muss die Informationsarchitektur nicht feststehen, bevor man mit dem Wireframe beginnt. Ich finde, die Hauptzweige sollten trotzdem klar sein. Bevor ich einen Screen gestalte, frage ich, in welchem Zweig er steht.

Beispiel: ein E-Commerce-Menü

Stellen Sie sich vor, ein Shop hat sechs Produkte. Dieselben Produkte lassen sich nach zwei verschiedenen Logiken gruppieren.

Beispiel

Baum A: nach Produktart

  • Bekleidung
    • Mantel
    • Stiefel
  • Elektronik
    • Handy
    • Kopfhörer
  • Wohnen
    • Thermoskanne
    • Bettwäsche

Winterstiefel liegen hier: Bekleidung › Stiefel.

Baum B: nach Bedarf

  • Bereit für den Winter
    • Mantel
    • Stiefel
    • Thermoskanne
  • Neue Wohnung
    • Bettwäsche
  • Geschenke
    • Handy
    • Kopfhörer

Winterstiefel liegen hier: Bereit für den Winter › Stiefel.

Dieselben sechs Produkte, zwei verschiedene Bäume. Das Menü auf dem Screen kann bei beiden gleich aussehen; anders ist die Struktur darunter.

Baum A ordnet die Produkte wie die Regale im Lager. Baum B geht von der Frage aus, mit der jemand zum Einkaufen kommt. Die Thermoskanne steht in beiden Bäumen, aber neben anderen Produkten.

Welcher richtig ist, bestimmt das mentale Modell der Nutzer. Das erfahren Sie nur, wenn Sie mit Nutzern testen.

Wie man sie testet

Beim Card Sorting sortieren Teilnehmende beschriftete Karten in Gruppen, die ihnen sinnvoll erscheinen. Beim Tree Testing sollen sie in einem Kategorienbaum ohne visuelles Design und Inhalt den Ort für etwas Bestimmtes finden.

Laut NN/g liefert Card Sorting meist nicht die endgültige Struktur. Den entstandenen Baum müssen Sie zusätzlich mit einem Tree Test bestätigen.

Warum es wichtig ist

Findet ein Nutzer nicht, was er sucht, gibt es den Inhalt für ihn nicht. Deshalb steht die Informationsarchitektur am Fundament der Usability.

So sorgfältig das visuelle Design auch ist, es rettet kein Produkt im falschen Zweig. Auch das Suchfeld schließt diese Lücke nicht immer.

Wo man anfängt

Haben Sie eine Website, ist der erste Schritt ein Inhaltsinventar. Schreiben Sie jede Seite und jede Funktion in eine Tabelle.

Gehen Sie das Inventar dann durch und markieren Sie veraltete oder doppelte Inhalte. Gruppieren Sie den Rest und geben Sie jeder Gruppe einen Namen.

Die Benennung wird leicht unterschätzt. Stehen im Menü „Lösungen“, „Leistungen“ und „Produkte“ nebeneinander, muss der Nutzer raten, in welchem das Gesuchte steckt. Wählen Sie die Namen aus den Worten, mit denen Kunden diese Dinge beschreiben.

Testen Sie zum Schluss den Baum und zeichnen Sie dann das Menü. Drehen Sie die Reihenfolge um, müssen Sie Inhalte, die nicht ins Menü passen, irgendwo hineinquetschen.

Verwandte Begriffe

  • Nutzerzentriertes Design: der Ansatz, die Struktur vom Nutzer aus zu bauen.
  • Prototyp: der erste Versuch der Struktur auf dem Screen.
  • UX: die übergeordnete Disziplin, zu der die Informationsarchitektur gehört.

Häufige Fragen

Sind Informationsarchitektur und Navigation dasselbe?

Nein. Die Informationsarchitektur ist die zugrunde liegende Ordnung und Benennung der Inhalte. Navigation sind die Oberflächenkomponenten wie Menü, Breadcrumb und Filter, die diese Ordnung auf dem Screen zeigen.

Wie dokumentiert man Informationsarchitektur?

In Tabellen und Diagrammen. Laut Cardello sind Wireframe, visueller Entwurf oder Prototyp nicht der Ort, um diese Struktur zu dokumentieren.

Card Sorting oder Tree Testing?

Beide beantworten verschiedene Fragen. Card Sorting zeigt, wie Nutzer Inhalte gruppieren. Tree Testing misst, ob man in einer bestehenden Hierarchie findet, was man sucht.

Quellen (3)
  1. Jen Cardello, The Difference Between Information Architecture (IA) and Navigation, Nielsen Norman Group. 2014, abgerufen am 3.11.2026
  2. Samhita Tankala und Katie Sherwin, Card Sorting: Uncover Users' Mental Models for Better Information Architecture, Nielsen Norman Group. 2024, abgerufen am 3.11.2026
  3. Page Laubheimer, Tree Testing: Evaluate Menu Labels and Categories, Nielsen Norman Group. 2023, zuletzt überprüft 2026, abgerufen am 3.11.2026