Was ist WCAG? WCAG 2.2 und Stufe AA
WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) ist der technische Standard, um Webinhalte für Menschen mit Behinderungen barrierefrei zu machen. Herausgeber ist die Web Accessibility Initiative (WAI) des W3C. Die aktuelle Version WCAG 2.2 erschien am 5. Oktober 2023. Die Kriterien sind in drei Stufen geordnet: A, AA und AAA. Als Ziel empfehle ich AA, also alle Kriterien der Stufen A und AA.
Kurz gesagt
WCAG misst mit prüfbaren Regeln, ob eine Website oder App für Menschen mit Behinderungen nutzbar ist. Jede Regel heißt Erfolgskriterium und gehört zu einer Stufe.
Die Version, auf die Sie heute schauen sollten, ist WCAG 2.2. Das Ziel AA bedeutet, alle 55 Kriterien der Stufen A und AA zu erfüllen.
- Die Regeln beruhen auf vier Prinzipien: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust.
- WCAG 2.2 hat 2.1 um 9 neue Kriterien ergänzt und das Kriterium 4.1.1 Parsing entfernt.
- In Deutschland verweist das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) über die Norm EN 301 549 auf Erfolgskriterien der WCAG.
Was ist WCAG und wer gibt sie heraus?
WCAG steht für Web Content Accessibility Guidelines, auf Deutsch Richtlinien für barrierefreie Webinhalte. Das W3C stellt WCAG als Text für alle vor, die einen technischen Standard suchen.
Die technischen Texte entwickelt die Accessibility Guidelines Working Group (AG WG). Diese Gruppe arbeitet unter dem Dach der Web Accessibility Initiative (WAI) des W3C.
Die Versionen und ihre Daten:
- WCAG 2.0: 11. Dezember 2008.
- WCAG 2.1: 5. Juni 2018.
- WCAG 2.2: 5. Oktober 2023. Der Text wurde am 12. Dezember 2024 aktualisiert.
Ein Standard unter einer datierten Adresse ändert sich nicht. Inhalte, die WCAG 2.2 erfüllen, erfüllen auch 2.1 und 2.0. Das W3C empfiehlt, die aktuellste Version zu nutzen.
WCAG 2.2 hat auch eine ISO-Entsprechung. Laut W3C ist ISO/IEC 40500:2025 textgleich mit WCAG 2.2 vom Oktober 2023.
Vielleicht haben Sie auch von WCAG 3 gehört. Das ist noch ein früher Entwurf. Die FAQ-Seite des W3C schreibt, dass bis zur Fertigstellung noch Jahre vergehen. Für heutige Projekte ist WCAG 2.2 der Maßstab.
Vier Prinzipien: POUR
Jede Regel in WCAG gehört zu einem von vier Prinzipien. Nach den Anfangsbuchstaben ihrer englischen Namen heißen sie POUR. Unter den Prinzipien stehen insgesamt 13 Richtlinien, unter jeder Richtlinie prüfbare Erfolgskriterien.
Die Definitionen sind meine Übersetzung des W3C-Texts.
- Wahrnehmbar (Perceivable)
- Informationen und Bedienelemente werden so dargestellt, dass Nutzer sie wahrnehmen können. Beispielkriterien: 1.1.1 Nicht-Text-Inhalt, 1.4.3 Kontrast.
- Bedienbar (Operable)
- Bedienelemente und Navigation sind benutzbar. Beispielkriterien: 2.1.1 Tastatur, 2.5.8 Zielgröße.
- Verständlich (Understandable)
- Informationen und die Bedienung der Oberfläche sind verständlich. Beispielkriterien: 3.3.1 Fehlererkennung, 3.3.2 Beschriftungen.
- Robust (Robust)
- Inhalte sind robust genug, um von unterschiedlicher Software interpretiert zu werden, auch von assistiven Technologien. Beispielkriterium: 4.1.2 Name, Rolle, Wert.
Ich nutze die vier Prinzipien auch als Prüfreihenfolge. Zuerst schaue ich, ob Nutzer den Inhalt sehen und hören können, dann, ob sie ihn bedienen und verstehen können. Zuletzt prüfe ich, ob der Code dem Screenreader die richtigen Informationen gibt.
Die Stufen A, AA und AAA
WCAG definiert drei Konformitätsstufen: A als niedrigste, AA in der Mitte, AAA als höchste. Die Stufen sind kumulativ. Für AA muss eine Seite alle A- und alle AA-Kriterien erfüllen.
Abbildung: Die Stufen sind verschachtelt. Die Zahlen habe ich aus der Kriterienliste im Text von WCAG 2.2 gezählt, ohne das entfernte 4.1.1.
Stufe A beseitigt die grundlegendsten Barrieren. Ein Menü, das sich nicht mit der Tastatur bedienen lässt, oder ein Buttonbild ohne Textalternative bleibt hier hängen.
Stufe AA fügt Regeln wie Kontrast, Textvergrößerung, sichtbaren Fokus und Umbruch bei 320 Pixeln Breite hinzu.
Stufe AAA ist die strengste. Für Textkontrast verlangt sie zum Beispiel 7:1 statt 4,5:1. Trotzdem empfiehlt das W3C nicht, AAA zur allgemeinen Regel für eine ganze Website zu machen. Die Begründung: Manche Inhalte können nicht alle AAA-Kriterien erfüllen.
Das W3C merkt außerdem an, dass selbst Inhalte, die AAA erfüllen, nicht für alle Menschen mit jeder Art und jedem Grad von Behinderung barrierefrei sind. Deshalb sehe ich die Stufe als Untergrenze. Sie ersetzt keinen Test mit Menschen mit Behinderungen.
Wenn Sie die Kontrastkriterien mit Ihren eigenen Farben prüfen wollen, nutzen Sie den Kontrastrechner. Sie geben zwei Farben ein und sehen, ob das Verhältnis die Schwellen von 1.4.3 und 1.4.6 erreicht.
Neue Erfolgskriterien in WCAG 2.2
WCAG 2.2 hat 2.1 um 9 Erfolgskriterien ergänzt. Laut der W3C-Seite „What's New in WCAG 2.2“ gehören zwei zur Stufe A, vier zu AA und drei zu AAA.
| Nr. | Kriterium | Stufe |
|---|---|---|
| 2.4.11 | Fokus nicht verdeckt (Minimum) (Focus Not Obscured (Minimum)) | AA |
| 2.4.12 | Fokus nicht verdeckt (erhöht) (Focus Not Obscured (Enhanced)) | AAA |
| 2.4.13 | Fokusdarstellung (Focus Appearance) | AAA |
| 2.5.7 | Ziehbewegungen (Dragging Movements) | AA |
| 2.5.8 | Zielgröße (Minimum) (Target Size (Minimum)) | AA |
| 3.2.6 | Konsistente Hilfe (Consistent Help) | A |
| 3.3.7 | Redundante Eingabe (Redundant Entry) | A |
| 3.3.8 | Barrierefreie Authentifizierung (Minimum) (Accessible Authentication (Minimum)) | AA |
| 3.3.9 | Barrierefreie Authentifizierung (erhöht) (Accessible Authentication (Enhanced)) | AAA |
Die W3C-Seite erklärt die neuen Kriterien mit Nutzergeschichten. Hinter 2.5.7 und 2.5.8 steht zum Beispiel ein Rentner, dessen Hand zittert. Die Kriterien zu Hilfe, Formularen und Anmeldung hängen an der Geschichte einer Supermarktmitarbeiterin mit einer kognitiven Beeinträchtigung.
Was verlangen die neuen Kriterien in der Praxis?
Fokuskriterien (2.4.11, 2.4.12, 2.4.13). Wer mit der Tastatur navigiert, muss jederzeit sehen, wo der Fokus ist. Verdeckt ein fixierter Header oder ein eingeblendetes Banner den fokussierten Bereich vollständig, besteht die Seite AA nicht.
Ziehen und Zielgröße (2.5.7, 2.5.8). Eine Liste, die sich durch Ziehen sortieren lässt, muss sich auch mit Buttons nach oben und unten sortieren lassen. Kleine Icon-Buttons sind entweder mindestens 24 × 24 CSS-Pixel groß oder haben genug Abstand ringsum.
Hilfe und Formulare (3.2.6, 3.3.7). Der Link zum Support steht auf jeder Seite an derselben Stelle der Reihenfolge. Die Lieferadresse, die im Checkout gerade eingegeben wurde, wird für die Rechnungsadresse automatisch ausgefüllt oder ist auswählbar.
Anmeldung (3.3.8, 3.3.9). Eine Anmeldung, die nur auf dem Merken eines Passworts oder dem Lösen eines Rätsels beruht, lässt Menschen mit Gedächtnis- oder Aufmerksamkeitsproblemen vor der Tür stehen. Auf Stufe AA braucht es einen anderen Weg oder einen Hilfsmechanismus.
4.1.1 Parsing wurde entfernt
In WCAG 2.2 gibt es das Kriterium 4.1.1 Parsing nicht mehr, das W3C hält es für überholt. Es sollte sicherstellen, dass Browser und assistive Technologien den Code richtig lesen können.
Laut der FAQ-Seite des W3C gehen Browser heute viel besser mit Codefehlern um. Assistive Technologien lesen den Code außerdem nicht direkt, sondern über den Browser. Probleme, die früher an 4.1.1 hängen blieben, werden heute bei Kriterien wie 1.3.1 oder 4.1.2 erfasst.
Arbeiten Sie noch nach WCAG 2.0 oder 2.1, ist der Hinweis des W3C klar: Für Inhalte in HTML oder XML gilt 4.1.1 immer als erfüllt. Ansonsten sind die Kriterien aus 2.0 und 2.1 in 2.2 im Wesentlichen gleich geblieben.
Kriterienfilter: Wer ist für welches Kriterium zuständig?
In einem Audit ist es so wichtig wie der Befund selbst, ihn an die richtige Person zu geben. Wählen Sie in der Liste unten Ihre Zielstufe und Ihre Rolle. Liste und Zähler passen sich an.
Ihre Zielstufe
Für wen
Version
Diese Liste enthält 27 Kriterien.
A 1.1.1 Nicht-Text-Inhalt Non-text Content
Jedes Bild, das Nutzern gezeigt wird, hat eine Textalternative, die denselben Zweck erfüllt.
A 1.3.1 Info und Beziehungen Info and Relationships
Struktur, die visuell vermittelt wird, etwa Überschrift oder Liste, ist auch im Code bestimmbar.
A 1.4.1 Benutzung von Farbe Use of Color
Farbe ist nicht das einzige visuelle Mittel, um eine Information oder eine Aktion zu zeigen.
AA 1.4.3 Kontrast (Minimum) Contrast (Minimum)
Text hat einen Kontrast von mindestens 4,5:1, großer Text mindestens 3:1.
AA 1.4.4 Textgröße ändern Resize Text
Text lässt sich ohne Verlust von Inhalt oder Funktion auf 200 % vergrößern.
AAA 1.4.6 Kontrast (erhöht) Contrast (Enhanced)
Text hat einen Kontrast von mindestens 7:1, großer Text mindestens 4,5:1.
AA 1.4.10 Umbruch Reflow
Inhalte sind bei 320 CSS-Pixeln Breite nutzbar, ohne in zwei Richtungen scrollen zu müssen.
AA 1.4.11 Nicht-Text-Kontrast Non-text Contrast
Die nötigen Teile von Bedienelementen und Grafiken haben mindestens 3:1 Kontrast zur angrenzenden Farbe.
A 2.1.1 Tastatur Keyboard
Alle Funktionen sind mit der Tastatur bedienbar.
A 2.4.3 Fokus-Reihenfolge Focus Order
Beim Navigieren mit Tab wandert der Fokus in einer Reihenfolge, die Bedeutung und Bedienung erhält.
A 2.4.4 Linkzweck (im Kontext) Link Purpose (In Context)
Wohin ein Link führt, geht aus seinem Text oder seinem Umfeld hervor.
AA 2.4.7 Fokus sichtbar Focus Visible
Auf einer Oberfläche, die mit der Tastatur bedient wird, ist der Fokusindikator sichtbar.
AA 2.4.11 Fokus nicht verdeckt (Minimum) Focus Not Obscured (Minimum)
Das fokussierte Element wird nicht vollständig von eigenen Inhalten der Seite verdeckt.
AAA 2.4.12 Fokus nicht verdeckt (erhöht) Focus Not Obscured (Enhanced)
Kein Teil des fokussierten Elements wird von eigenen Inhalten der Seite verdeckt.
AAA 2.4.13 Fokusdarstellung Focus Appearance
Der Fokusindikator ist mindestens so groß wie ein 2 CSS-Pixel dicker Rahmen um das Element. Zwischen fokussiertem und nicht fokussiertem Zustand liegt ein Kontrast von mindestens 3:1.
AA 2.5.7 Ziehbewegungen Dragging Movements
Alles, was durch Ziehen geht, geht auch mit einem einzelnen Zeiger ohne Ziehen, etwa durch Klicken.
AA 2.5.8 Zielgröße (Minimum) Target Size (Minimum)
Klick- und Tippziele sind mindestens 24 × 24 CSS-Pixel groß oder durch genug Abstand getrennt.
A 3.1.1 Sprache der Seite Language of Page
Die Standardsprache der Seite ist per Software bestimmbar, etwa lang="de".
A 3.2.6 Konsistente Hilfe Consistent Help
Wiederkehrende Hilfewege, etwa ein Kontaktlink, stehen auf allen Seiten in derselben Reihenfolge zum übrigen Inhalt.
A 3.3.1 Fehlererkennung Error Identification
Erkennt das System einen Eingabefehler, wird das fehlerhafte Feld genannt und der Fehler in Text beschrieben.
A 3.3.2 Beschriftungen oder Anweisungen Labels or Instructions
Überall, wo Angaben verlangt werden, gibt es eine Beschriftung oder eine Anweisung.
AA 3.3.3 Fehlerempfehlung Error Suggestion
Wird ein Fehler erkannt und ist eine Korrektur bekannt, bekommt der Nutzer einen Vorschlag.
A 3.3.7 Redundante Eingabe Redundant Entry
Wird im selben Prozess eine bereits eingegebene Information erneut gebraucht, wird sie automatisch ausgefüllt oder ist auswählbar.
AA 3.3.8 Barrierefreie Authentifizierung (Minimum) Accessible Authentication (Minimum)
Ist bei der Anmeldung ein Test wie Passwort merken oder Rätsel lösen Pflicht, gibt es einen anderen Weg oder Hilfe.
AAA 3.3.9 Barrierefreie Authentifizierung (erhöht) Accessible Authentication (Enhanced)
Die strengere Form der Minimum-Regel. Die Ausnahmen für Objekterkennung und persönliche Inhalte gibt es hier nicht.
A 4.1.2 Name, Rolle, Wert Name, Role, Value
Name und Rolle jedes Bedienelements sind im Code festgelegt, sein Zustand wird an assistive Technologien übermittelt.
AA 4.1.3 Statusmeldungen Status Messages
Statusmeldungen können Screenreadern übermittelt werden, ohne den Fokus zu verschieben.
Keine Kriterien passen zu dieser Auswahl. Wählen Sie eine höhere Stufe oder schalten Sie den Versionsfilter aus.
Die Liste enthält 27 der 86 Kriterien aus WCAG 2.2, die ich oft prüfe. Die kurzen Beschreibungen sind meine Zusammenfassung des W3C-Texts, die deutschen Namen meine Übersetzung. Die Etiketten Design und Entwicklung sind nicht vom W3C, sondern meine Arbeitsteilung. Die Stufenwahl ist kumulativ: Bei AA sehen Sie auch die A-Kriterien.
Viele Kriterien sind gemeinsame Arbeit beider Rollen. Den Fokusindikator zeichnet das Design, die Entwicklung baut ihn so, dass er nicht verloren geht. Solche Kriterien weise ich im Bericht beiden Personen zu.
WCAG im deutschen Recht: BFSG und BITV 2.0
In Deutschland nennen die Gesetze WCAG nicht direkt. Sie verweisen auf harmonisierte europäische Normen, und die zentrale Norm für digitale Angebote ist die EN 301 549.
Für Unternehmen: das BFSG. Laut der Bundesfachstelle Barrierefreiheit gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz seit dem 28. Juni 2025, unter anderem für Bankdienstleistungen und den elektronischen Geschäftsverkehr. Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, sind ausgenommen.
Zu den anzuwendenden Normen schreibt die Bundesfachstelle: Erfüllt ein Produkt oder eine Dienstleistung harmonisierte Normen oder technische Spezifikationen, gilt nach §§ 4 und 5 BFSG die Vermutung, dass die Anforderungen erfüllt sind. Die EN 301 549 in der Version V3.2.1 sei derzeit die zentrale technische Referenz. Die Anforderungen an Websites stehen in Abschnitt 9 und in Tabelle A.1 im Anhang.
Diese Norm verweist auf Erfolgskriterien der WCAG 2.1. Laut der Bundesfachstelle wird die überarbeitete Fassung der EN 301 549 auf WCAG 2.2 verweisen.
Für öffentliche Stellen des Bundes: die BITV 2.0. Laut der Bundesfachstelle nennt die BITV 2.0 seit Mai 2019 keinen eigenen Standard mehr, sondern verweist auf die im Amtsblatt der EU bekannt gemachten harmonisierten Normen (§ 3 Absatz 2 BITV 2.0). Seit dem 12. August 2021 ist das die EN 301 549 V3.2.1.
Was das für die Arbeit heißt: Wer heute WCAG 2.2 AA erfüllt, deckt die Web-Kriterien aus WCAG 2.1 ab, auf die die aktuelle Norm verweist, und ist für die überarbeitete Fassung vorbereitet. Die EN 301 549 enthält aber auch Anforderungen über WCAG hinaus, etwa für Software und Apps in Abschnitt 11.
Mehr zum europäischen Rahmen finden Sie im Ratgeber zum European Accessibility Act.
Hinweis: Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung. Ob das BFSG für Ihr Angebot gilt, klären Sie bitte anhand des Gesetzestexts und mit einer Juristin oder einem Juristen.
Meine Notiz
In Audits schaue ich auf AA. Kontrast und sichtbarer Fokus sind AA-Kriterien. Eine Seite mit blassem Text oder unsichtbarem Fokus ist schwer zu benutzen, auch wenn sie Stufe A besteht.
Die Probleme, die ich in Audits am häufigsten sehe, stecken nicht tief im Code, sondern in der Designdatei. Ein blassgrauer Hilfetext oder ein Fehlerfeld, das nur rot markiert ist, sind Beispiele. Werden sie schon im Design behoben, bleibt für die Entwicklung später viel weniger Arbeit.
Unter den neuen Kriterien von WCAG 2.2 halte ich 2.4.11 für das wichtigste. Fixierte Header und Cookie-Banner können den fokussierten Bereich verdecken. Der Weg, das zu finden, ist einfach: die Maus weglegen und die Seite mit der Tab-Taste von oben bis unten durchgehen.
Eine erste Runde in einer Stunde
Eine vollständige Konformitätsprüfung testet jedes Kriterium einzeln. Die erste Runde schafft ein Team aber in einer Stunde selbst. Ich fange in dieser Reihenfolge an:
- Schauen Sie, ob im Code der Seite
lang="de"steht (3.1.1). - Messen Sie den Kontrast von Fließtext, Hilfetext und Buttontexten (1.4.3).
- Legen Sie die Maus weg und versuchen Sie, den Hauptablauf nur mit Tab, Enter und den Pfeiltasten abzuschließen (2.1.1, 2.4.7, 2.4.11).
- Zoomen Sie den Browser auf 200 % und verkleinern Sie dann das Fenster auf 320 Pixel Breite (1.4.4, 1.4.10).
- Füllen Sie das Formular absichtlich falsch aus und schauen Sie, was die Fehlermeldung wo sagt (3.3.1, 3.3.3).
- Schalten Sie den Screenreader ein und hören Sie die Namen der Buttons. Ein Icon, das nur als „Schalter“ vorgelesen wird, hat keinen Namen (4.1.2).
Diese Runde findet nicht jedes Problem. Aber sie räumt die sichtbarsten Barrieren vor dem ersten Audit weg und bringt dem Team die Sprache der Kriterien bei.
Wenn Sie diese Prüfungen für Ihr Produkt machen lassen wollen: Der UX Audit enthält die Kernprüfungen der WCAG 2.2. Wie ein Audit abläuft, beschreibe ich im Ratgeber zum UX-Audit. Barrierefreiheit behandle ich als Teil der Usability.
Häufige Fragen
Was ist WCAG?
WCAG ist der technische Standard, um Webinhalte für Menschen mit Behinderungen barrierefrei zu machen. Herausgeber ist die Web Accessibility Initiative (WAI) des W3C. Die aktuelle Version ist WCAG 2.2.
Was bedeutet WCAG 2.2 AA?
Es bedeutet, alle Erfolgskriterien der Stufen A und AA in WCAG 2.2 zu erfüllen. Nach meiner Zählung aus der Kriterienliste des W3C sind das 55 Kriterien: 31 A und 24 AA.
Erfüllt eine Website, die WCAG 2.1 erfüllt, auch WCAG 2.2?
Nicht immer. Laut W3C erfüllen Inhalte nach WCAG 2.2 auch 2.1 und 2.0, umgekehrt gilt das nicht. Eine Website mit 2.1 AA muss für 2.2 AA zusätzlich die 2 A- und 4 AA-Kriterien erfüllen, die mit 2.2 neu dazugekommen sind.
Schreibt das BFSG WCAG vor?
Nicht direkt. Das BFSG verweist auf harmonisierte Normen. Laut der Bundesfachstelle Barrierefreiheit ist die EN 301 549 V3.2.1 derzeit die zentrale technische Referenz, und sie verweist auf Erfolgskriterien der WCAG 2.1; die überarbeitete Fassung wird auf WCAG 2.2 verweisen. Das ist keine Rechtsberatung.
Wann kommt WCAG 3?
Das steht nicht fest. WCAG 3 ist ein früher Entwurf, und das W3C sagt, dass bis zur Fertigstellung noch Jahre vergehen. Heute ist WCAG 2.2 der Maßstab.
Quellen (7)
- W3C Web Accessibility Initiative (WAI), WCAG 2 Overview. abgerufen am 3.11.2026; Versionsdaten, AG WG, 13 Richtlinien, ISO/IEC 40500:2025, Entwurf WCAG 3
- W3C WAI, What's New in WCAG 2.2. abgerufen am 3.11.2026; 9 neue Kriterien und ihre Stufen, Nutzergeschichten, Entfernung von 4.1.1
- W3C, Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2. W3C-Empfehlung, Fassung vom 12. Dezember 2024, abgerufen am 3.11.2026; Prinzipien, Kriterientexte, Konformitätsstufen
- W3C WAI, WCAG 2 FAQ. abgerufen am 3.11.2026; 4.1.1 Parsing und WCAG 3
- Bundesfachstelle Barrierefreiheit, Normen und Standards zum BFSG. abgerufen am 3.11.2026; Konformitätsvermutung nach §§ 4 und 5 BFSG, EN 301 549 V3.2.1 als zentrale Referenz, Verweis auf WCAG 2.1, künftig WCAG 2.2, Abschnitt 9 und Tabelle A.1
- Bundesfachstelle Barrierefreiheit, Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). abgerufen am 3.11.2026; gilt seit dem 28. Juni 2025, Bankdienstleistungen und elektronischer Geschäftsverkehr, Ausnahme für Kleinstunternehmen mit Dienstleistungen
- Bundesfachstelle Barrierefreiheit, Neue Version der EN 301 549. abgerufen am 3.11.2026; BITV 2.0 § 3 Abs. 2 verweist auf die harmonisierte Norm, EN 301 549 V3.2.1 seit dem 12. August 2021