Was ist der Double Diamond? Das Modell mit zwei Diamanten

Kurz gesagt

Der Double Diamond ist ein Modell des Designprozesses, das der Design Council im Vereinigten Königreich 2004 vorgestellt hat. Das Modell besteht aus zwei Diamanten und vier Phasen: Entdecken (Discover), Definieren (Define), Entwickeln (Develop) und Umsetzen (Deliver). Der erste Diamant dient dazu, das Problem zu verstehen, der zweite, eine Lösung dafür zu finden. In jedem Diamanten werden die Optionen erst geöffnet und dann verengt.

Kurz gesagt

Der Double Diamond beschreibt die Schritte eines Designprojekts mit zwei Diamantformen. Laut Design Council ist das Modell eine einfache Art, die Schritte jedes Design- und Innovationsprojekts zu beschreiben. Welche Methoden oder Tools Sie nutzen, spielt keine Rolle.

Das Schema zeigt, in welcher Phase Sie was denken und wann Sie entscheiden. Ich zeichne es im ersten Meeting mit dem Team. So sieht jeder, in welchem Diamanten wir gerade sind.

Im Ratgeber UX-Design, der den UX-Prozess Schritt für Schritt beschreibt, habe ich den Double Diamond kurz erwähnt. Diese Seite beschreibt das Modell selbst.

Vier Phasen: Entdecken, Definieren, Entwickeln, Umsetzen

Der erste Diamant gilt dem Problem, der zweite der Lösung. Wo sich die beiden Diamanten treffen, steht eine klare Problemdefinition. In der ersten Beschreibung des Design Council ist das Ergebnis dieses Punkts ein Design Brief.

Diamant-Schema
Problemraum Design Brief Lösungsraum Entdecken Definieren Entwickeln Umsetzen Divergenz Konvergenz Divergenz Konvergenz Neu Gelerntes kann Sie zum Anfang zurückschicken

1. Entdecken Erster Diamant · Divergenz

Ziel
Das Problem verstehen, statt es nur anzunehmen. Sie sprechen mit Menschen, die vom Problem betroffen sind, und verbringen Zeit mit ihnen. In der ersten Beschreibung des Design Council heißt diese Phase, den Auftrag zu hinterfragen und Nutzerbedürfnisse zu erforschen.
Methoden
Nutzerinterviews, Beobachtung am Ort der Nutzung, Analytics-Daten und Supportanfragen. Bei Bedarf eine erste Reaktion auf einen sehr groben Prototyp.
Ergebnis
Interviewnotizen, Beobachtungen und Rohdaten. In dieser Phase gibt es noch keine Entscheidung, aber viel Material.

2. Definieren Erster Diamant · Konvergenz

Ziel
Mit dem, was Sie beim Entdecken gelernt haben, die Herausforderung neu rahmen. Das gesammelte Material wird gedeutet und auf ein einziges Problem verdichtet.
Methoden
Notizen nach Ähnlichkeit gruppieren, Persona und Customer Journey Map erstellen.
Ergebnis
Design Brief: das zu lösende Problem, für wen es gelöst wird und woran man den Erfolg erkennt.

3. Entwickeln Zweiter Diamant · Divergenz

Ziel
Verschiedene Antworten auf das klar definierte Problem finden. Man holt sich Inspiration aus anderen Bereichen und gestaltet Lösungen gemeinsam mit verschiedenen Menschen.
Methoden
Skizzen, Ablaufentwürfe, Wireframes, Co-Design-Sitzungen mit Nutzern oder im Team, klickbare Prototypen.
Ergebnis
Einige Lösungsrichtungen und ihre groben Prototypen.

4. Umsetzen Zweiter Diamant · Konvergenz

Ziel
Lösungen im Kleinen ausprobieren. Was nicht funktioniert, wird verworfen, was funktioniert, wird verbessert. Am Ende wird eine Lösung gewählt und für den Launch vorbereitet.
Methoden
Usability-Test, Test mit einer begrenzten Nutzergruppe, A/B-Test.
Ergebnis
Eine getestete, startklare Lösung. Oft auch eine Liste neuer Fragen.

Drücken Sie auf eine Phase: Im Schema färbt sich dieser halbe Diamant orange, darunter erscheinen Ziel, Methoden und Ergebnis. Die Ziele beruhen auf dem Text des Design Council, gekürzt von mir. Methoden und Ergebnisse stammen aus meiner Praxis.

1. Entdecken (Discover)

Laut Design Council hilft der erste Diamant, das Problem zu verstehen, statt es nur anzunehmen. Dafür sprechen Sie mit Menschen, die vom Problem betroffen sind, und verbringen Zeit mit ihnen.

Denken Sie an die Störungsmelde-App von Stadtwerken für Wasserschäden. Das Team beginnt mit „Das Formular ist zu lang“. Spricht es beim Entdecken mit den Bürgern, kann sich das eigentliche Problem als ein anderes erweisen: Nach der Meldung meldet sich niemand bei ihnen zurück.

2. Definieren (Define)

Mit den Erkenntnissen aus dem Entdecken definieren Sie die Herausforderung neu. Das Team im Beispiel sagt nicht mehr „Kürzen wir das Formular“. Es schreibt: „Bürger sehen nicht, in welchem Stand ihre Meldung ist.“

Dieser Satz ist die Eingangstür zum zweiten Diamanten. Je klarer er geschrieben ist, desto treffender werden die Ideen danach. Beim Schärfen der Definition hilft mir die Arbeit an einer Persona.

3. Entwickeln (Develop)

Im zweiten Diamanten suchen Sie verschiedene Antworten auf das klar definierte Problem. Der Design Council empfiehlt hier, sich Inspiration aus anderen Bereichen zu holen und gemeinsam mit verschiedenen Menschen zu gestalten.

Im Beispiel heißt das: einige Ideen für die Statusverfolgung, etwa eine SMS-Benachrichtigung, eine Zeitleiste in der App oder eine Abfrage über die Meldenummer. Jede wird als grober Prototyp gezeichnet.

4. Umsetzen (Deliver)

In der letzten Phase werden verschiedene Lösungen im Kleinen ausprobiert. Was nicht funktioniert, wird verworfen, was funktioniert, wird verbessert. Hier mache ich einen Usability-Test und zeige echten Nutzern höchstens zwei Varianten.

Divergenz und Konvergenz

Die beiden Hälften eines Diamanten sind zwei verschiedene Denkweisen. Der Design Council beschreibt es auf der Seite zum Framework for Innovation so: Zuerst wird ein Thema breiter oder tiefer erkundet, das heißt divergentes Denken. Danach folgt fokussiertes Handeln, das heißt konvergentes Denken.

Bei der Divergenz geht es darum, die Zahl der Optionen zu erhöhen. Kritik wird dabei aufgeschoben. Bei der Konvergenz vergleichen Sie die Optionen und sortieren aus.

Beides im selben Meeting zu versuchen, ist das Problem, das ich am häufigsten sehe. Eine Person nennt eine Idee, die nächste sagt sofort „Das geht nicht“. Ich teile die Sitzung in zwei Hälften: In der ersten werden nur Ideen gesammelt, in der zweiten wird ausgewählt.

Der Prozess ist nicht linear

Das Schema liest sich von links nach rechts, der Prozess läuft aber nicht nur in eine Richtung. Auf der Seite zum Framework for Innovation schreibt der Design Council klar, dass es kein linearer Prozess ist, wie die Pfeile im Schema zeigen.

Auch die eigene Beobachtung der Organisation geht in diese Richtung: Viele der unterstützten Organisationen lernen etwas Neues über das zugrunde liegende Problem. Das kann sie zurück zum Anfang schicken. Auch sehr frühe Ideen zu bauen und zu testen kann Teil des Entdeckens sein.

Der Design Council fügt eine weitere Beobachtung hinzu: In einer digitalen, sich ständig ändernden Welt ist keine Idee je „fertig“.

Finden Sie also in der Umsetzungsphase ein neues Problem, ist das kein Scheitern. Das Modell rechnet von Anfang an damit.

Framework for Innovation: Grundsätze und Methoden

Das Framework for Innovation ist ein breiterer Rahmen, in dessen Mitte der Double Diamond steht. Neben dem Prozessmodell enthält es Designgrundsätze, eine Methodensammlung und Hinweise zur Arbeitskultur.

Vier Designgrundsätze

GrundsatzWas er bedeutet
Menschen zuerstBeginnen Sie damit, die Menschen zu verstehen, die einen Dienst nutzen: ihre Bedürfnisse, Stärken und Wünsche.
Visuell und inklusiv kommunizierenHelfen Sie Menschen, ein gemeinsames Verständnis von Problem und Ideen zu gewinnen.
Zusammenarbeiten und gemeinsam gestaltenArbeiten Sie zusammen und lassen Sie sich von dem inspirieren, was andere tun.
IterierenProbieren Sie immer wieder. So sehen Sie Fehler früh, vermeiden Risiken und gewinnen Vertrauen in Ihre Ideen. Der Originalname des Grundsatzes lautet Iterate, iterate, iterate.

Der erste Grundsatz ist der Kern der Idee des nutzerzentrierten Designs. Der vierte erklärt, warum ich statt eines großen Tests kleine und häufige Tests mache.

Methodensammlung

Der Design Council fasst die Designmethoden, die er geschrieben, angepasst oder übernommen hat, in drei Bereichen zusammen. Explore dient dazu, Herausforderungen, Bedürfnisse und Chancen zu erforschen. Shape formt Prototypen, Erkenntnisse und Visionen. Build baut Ideen, Pläne und Fachwissen auf.

Beteiligung und Führung

Der Rahmen nennt auch zwei Bedingungen der Kultur. Die erste ist Beteiligung: mit den Menschen zusammenarbeiten, die Ideen umsetzen und von ihnen profitieren werden, und mit Partnern, die andere Ideen haben könnten. Der Design Council hält Beziehungen aufzubauen für ebenso wichtig wie Ideen zu entwickeln.

Die zweite ist Führung. Laut Design Council fördert Führung Innovation, baut Fähigkeiten und Kompetenzen auf und erlaubt, auszuprobieren und zu lernen. Nach meiner Erfahrung wird der erste Diamant am ehesten dann gekürzt, wenn diese Erlaubnis fehlt.

Woher das Modell kommt

Die Geschichte, die der Design Council erzählt, beginnt 2003. In diesem Jahr warb die Organisation für die Vorteile eines strategischen Umgangs mit Design, hatte aber keine einheitliche Art, diesen Prozess zu beschreiben. Richard Eisermann, damals Director of Design and Innovation, fragte sein Team, wie man den Designprozess beschreiben solle.

Das Team untersuchte die eigenen Projekte und Methoden von außen und leitete einen gemeinsamen Prozess ab. Die vier Phasen bekamen die Namen Discover, Define, Develop und Deliver. 2004 begann der Design Council, das Modell auf Konferenzen und in Präsentationen zu zeigen.

Die Idee entstand nicht aus dem Nichts. Laut der Geschichte der Organisation hatte Forschung von den 1960er- bis in die 1990er-Jahre Prozessmodelle mit Divergenz, Konvergenz und Wiederholung hervorgebracht.

Eisermann erzählt, dass die Diamantform bei IDEO Ende der 1990er-Jahre schon vorhanden war, auch wenn sie vielleicht nicht so hieß.

Laut Design Council ist diese Darstellung des Schemas bis heute unverändert. Das Modell steht unter der Lizenz CC BY 4.0. Sie erlaubt Teilen und Bearbeiten, wenn Sie den Urheber nennen, auf die Lizenz verlinken und Ihre Änderungen kenntlich machen.

Wie ich ihn in einem UX-Projekt nutze

Ich nutze den Double Diamond als Entscheidungswerkzeug. Am Ende jedes Diamanten stelle ich eine Frage: Haben wir das Problem genug verstanden, haben wir die Lösung genug ausprobiert?

  • Am Projektanfang zeichne ich die Diamanten an das Whiteboard und schreibe zu jeder Phase ein Ergebnis. An diesen Ergebnissen sieht das Team, was fertig ist.
  • An den Punkt, an dem sich die Diamanten treffen, setze ich die Problemdefinition in einem Satz. Bevor dieser Satz bestätigt ist, beginne ich keine Bildschirme zu zeichnen.
  • In einem kurzen Projekt kann der erste Diamant so kurz sein wie einige Interviews und eine Durchsicht der Analytics. Ich lasse die Phase nicht aus, ich verkleinere sie nur.
  • Gibt es schon ein laufendes Produkt, kann der erste Diamant mit einem Audit beginnen. Zu sehen, wo das Produkt hakt, ist ein schneller Weg des Entdeckens.

In der Entwicklungsphase spart es Zeit, zwischen Wireframe, Mockup und Prototyp das Richtige zu wählen. Ein grober Entwurf lässt Sie während der Divergenz mehr Optionen ausprobieren.

Häufige Fehler

Den ersten Diamanten überspringen. Das Team nimmt an, das Problem zu kennen, und zeichnet direkt eine Lösung. Die Formulierung, die der Design Council für den ersten Diamanten nutzt, sagt genau das Gegenteil: verstehen statt annehmen.

Divergenz und Konvergenz vermischen. Kritik in einer Sitzung zum Ideensammeln tötet Optionen, bevor sie entstehen.

Das Schema für eine starre Reihenfolge halten. In der Umsetzungsphase etwas Neues zu lernen und zum Definieren zurückzukehren, gehört zum Modell. Planen Sie das von Anfang an ein.

Die Problemdefinition nicht aufschreiben. Gibt es am Treffpunkt der beiden Diamanten keine schriftliche Definition, löst im zweiten Diamanten jeder ein anderes Problem.

Nur im Team bleiben. Die Grundsätze des Rahmens verlangen, Menschen an die erste Stelle zu setzen und gemeinsam zu gestalten. Eine Entdeckungsphase ohne ein einziges Gespräch mit Nutzern ist ein Meeting, das Entdecken heißt.

Meine Notiz

Was ich am Double Diamond am meisten mag: Er erlaubt dem Team zu sagen „Wir entscheiden noch nicht“. Machen Sie im ersten Diamanten etwas falsch, kostet es ein paar Seiten Notizen. Bemerken Sie denselben Fehler erst nach dem Launch, kostet er neu geschriebene Bildschirme.

Eine Situation sehe ich oft. Das Team steckt mitten im zweiten Diamanten, hat ein Design und fragt, warum es nicht funktioniert. Die Antwort liegt meist im ersten Diamanten: Das Problem wurde nie aufgeschrieben.

Im Design & Ship Sprint teile ich die zwei Wochen deshalb in Diamanten auf. Die ersten Tage gebe ich der Klärung des Problems. Die restliche Zeit geht in das Ausprobieren der Lösung und den Code.

Häufige Fragen

Wann ist der Double Diamond entstanden?

Laut der Geschichte des Design Council leitete das Team den Prozess 2003 ab, und die Organisation begann 2004, das Modell auf Konferenzen und in Präsentationen zu zeigen. Auch die Seite zum Framework for Innovation schreibt, dass das Modell 2004 vorgestellt wurde.

Was sind die vier Phasen des Double Diamond?

Entdecken (Discover), Definieren (Define), Entwickeln (Develop) und Umsetzen (Deliver). Die ersten beiden Phasen behandeln das Problem, die letzten beiden die Lösung.

Sind Double Diamond und Design Thinking dasselbe?

Ich halte beides nicht für dasselbe. Der Double Diamond ist das Modell des Design Council, das den Designprozess über Divergenz und Konvergenz mit zwei Diamanten zeigt. Design Thinking sehe ich als breiteren Ansatz.

Lässt sich der Double Diamond auch in kleinen Projekten nutzen?

Ja. Verkleinern Sie die Phasen, statt sie auszulassen. Schon einige Nutzerinterviews und eine Problemdefinition in einem Satz geben Ihnen einen solideren Start in den zweiten Diamanten.

Quellen (4)
  1. Design Council, The Double Diamond. abgerufen am 3. November 2026; vier Phasen, Lizenz CC BY 4.0
  2. Creative Commons, Attribution 4.0 International (CC BY 4.0). abgerufen am 3. November 2026; Erlaubnis zum Teilen und Bearbeiten, Pflicht zur Namensnennung
  3. Design Council, History of the Double Diamond. abgerufen am 3. November 2026; die Arbeit von 2003, Veröffentlichung 2004, erste Beschreibung der Phasen
  4. Design Council, Framework for Innovation. abgerufen am 3. November 2026; 2004 vorgestellt, divergentes und konvergentes Denken, kein linearer Prozess, vier Grundsätze, Methodensammlung, Beteiligung und Führung